Januar 2011
28 Einträge
Herbstskizze.
“Was gibts?”, frage ich. “Ach, eigentlich nichts. Bist du zu Hause?” Ich überlege, ob ich lügen soll. “Ja”, antworte ich wahrheitsgemäß. Eventuell hätte sie es sonst auf dem Festnetz versucht und ich hätte den ganzen Tag nicht rangehen können, ohne mich zu verraten. Nicht, dass ich normalerweise ans Telephon gehen würde. Ich habe, wenn es um meine private...
Jan. 30
Patchwork
Langsam reichts. Ich hab es satt, dass Deine gefärbten Haare im ganzen Haus verteilt sind. Sie liegen wirklich überall, sogar zwischen den Bonbonpapierchen, die du zu Hunderten unter unser Bett wirfst, dass eigentlich immer nur zerknautscht aussieht. Und warum würgst du eigentlich immer beim Zähneputzen, so dass mir selber schlecht wird? Wenn man mal mit dir darüber reden will, dann fängt...
Jan. 30
1 Anmerkung
Oberneuland.
Im Hafen der Satellitenstadt liegt ein ziemlich großes Transportschiff aus Israel vor Anker, schon seit Jahren, es rostet dort nur noch vor sich hin. Dein Vater rät mir in dem viel zu teueren Restaurant zu Fischsuppe, ich stimme euphorisch zu. Ich will ihm gefallen und erinnere mich daran, dass Du mir erzähltest, was er über mich sagte (sinngemäß, dass er sich jetzt keine Sorgen mehr um seine...
Jan. 26
Between.
Zwischenzustände haben mich schon von jeher fasziniert. Orte, an denen das Land das Meer berührt, der Übergang vom Tag zur Nacht und umgekehrt, der perfekte Moment eines Rausches, Tagträume, mit geschlossenen Augen Musik über Kopfhörer konsumieren und dabei hellwach zu sein, sich aus der Realität Wegschreiben oder Lesen, obwohl man körperlich ganz da ist, mit einer Gruppe von Menschen unterwegs,...
Jan. 26
2 Anmerkungen
Jan. 23
2 Anmerkungen
Zeit.
Um die Lokalität zu betreten, musste man wissen, wo sich der Eingang befand (ein Wissen, dass von Besuchern nur auf explizite Nachfrage weitergegeben werden durfe), daran klopfen und dem prüfenden Blick aus einer aufschiebbaren Luke an der Tür standhalten, der festzustellen suchte, ob man schon zu betrunken und somit ungeeignet war, den Kellergeist zu betreten. Anschließend wurde die Tür...
Jan. 18
Jan. 18
2 Anmerkungen
Dorfjagd.
Meinungen klaust Du bei denen, die gerade die Meinungsführerschaft haben, weil sie am lautestesten schreien und die obszönsten und billigsten Witzchen auf Kosten derer machen, die gerade zum Feind der Woche ausgerufen wurden und jetzt kreist Du über wieder mit dem Mauszeiger über dem Reload-Button, Du Geier, und wartest darauf, dass die nächste Sau durchs Dorf gejagt wird und Du mitschreien...
Jan. 18
Kreis.
Wenn Du irgendwann zu verstehen beginnst, dass das ganze Leben ein Warten auf den Tod ist, dass jeder Mensch am Ende merkt, dass er sein ganzes Leben nur gekämpft und nach etwas gesucht hat, dass doch nie zu finden war und dass das etwas ist, das jeder von uns verstehen muss, jeder Einzelne und jeder für sich, dann wirst Du mich darum beneiden, dass ich immer nur getan habe, was ich...
Jan. 13
Hand in Hand.
Die Frau von der Tankstelle hat eine Phobie, die mit Händen oder Berührungen zu tun hat. Ich habe es lange beobachtet. An manchen Tagen trägt sie Handschuhe und kommt so gar nicht erst in Gefahr, die Hand eines Kunden berühren zu müssen. An den Tagen, an denen das nicht der Fall ist, versucht sie alles, um zu vermeiden, dass ihr die Menschen, die bezahlen wollen, das Geld direkt in die Hand geben....
Jan. 13
2 Anmerkungen
Re: Emotion.
In Momenten plötzlicher, überwältigender Schönheit schnürt mein limbisches System in Sekundenschnelle ein unfassbar komplexes, sich selbst widersprechendes Bündel an Emotionen und wirft es mir einfach zu. Ich stehe dann da und weiß nicht, ob ich es unbedingt fangen oder so weit wie möglich von mir wegschlagen will.
Jan. 12
Drang.
Waben, Sterne, Heimlichkeiten, Netz missglückter Küsse. Links neben Dir geht das Entzücken.
Jan. 12
Jan. 9
Mantra.
Ich nehme seit einiger Zeit kein Koffein mehr zu mir. Wenn ich koche, versuche ich, zu viel Fleisch zu vermeiden. Ich trinke nur noch an den Wochenenden Alkohol. Beim Rauchen gehe ich immer ins Zimmer nebenan, statt in dem Raum, in dem ich auch schlafe, die Luft zu verpesten. Ich gehe sparsam mit dem wenigen Geld um, dass mir über bleibt. Ich versuche, jeden Tag etwas zu tun, das man als gute Tat...
Jan. 8
Viertel vor Nichts.
Ich schreibe, also bin ich Du. Ich schreibe, also bin ich sie. Ich schreibe, um mir selbst nicht zu begegnen. Ich schreibe, also bin ich niemand.
Jan. 5
Jan. 5
1 Anmerkung
Rolle.
Das knallbunte Geschnatter der Mädchen am Vorabend des Festes, es ist entzückend, es fragt nach Schönheit und irgendjemand muss diese Fragen doch stellen und wer wenn nicht sie? Wenn dann Träume langsam verfliegen und später Kleider verschwinden, wenn graue Realitäten von schwitzenden, gierigen Leibern von trunkenen Kerlen das einholen, dann gleicht es sich alles aus und ist wieder bei Null. ...
Jan. 5
1 Anmerkung
Traumsequenzen (X)
In meinen Kiefer wurden Löcher gebohrt. Im Zahnfleisch, oberhalb jedes einzelnen Zahnes ein Loch, in diese Löcher führen metallene Ketten, die mir aus dem Mund und dort zu einem Bündel zusammenlaufen, an dessen Ende eine Art Handgriff ist. Eine Frau hält diesen Griff in ihrer Linken, sie hat mich wie an einer Leine gefangen. Und sie zieht daran, es tut höllisch weh und die vielen Ketten machen es...
Jan. 5
Re:
Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht, wie ich auf Deine vorherige Nachricht antworten soll, bin aber zu keinem guten Ende gekommen. Eigentlich ist es wider meiner Natur, kaum bzw. nicht darauf einzugehen, wenn mir jemand so offen darlegt, wie er sich mit etwas fühlt. Normalerweise ginge ich darauf ein, indem ich positive Dinge betonte und steckte Kraft in einen freundlichen und glücklichen...
Jan. 4
Knackende Enkel.
Bröckeln oder verlieren. Oh: Schlankes Ferkel! Ach: Wunderlicher Kragen. Enkel wiegen.
Jan. 4
Jan. 4
Einladend.
“Du kannst auch gerne nachher wieder gehen, falls Du die ganzen Leute hasst.” “Nur zwei, der Rest ist bestimmt echt super.”
Jan. 4
Spieler.
Und als es vorbei war, in dieser einen, gar nicht einmal kalten, lichtverschmutzten Nacht, in der man selbst am höchsten Punkt der Stadt keine Sterne mehr sehen konnte, als das Leben ein Full House auf den Tisch legte, drei Buben, aber nur zwei Damen, da fuhr ich nach Hause, betrunken, um sechs Uhr morgens, nicht in der Lage, meine Sinne zu beherrschen, als neben mir in der U-Bahn ein zwei Meter...
Jan. 4
3 Anmerkungen
Ohne Titel
Nacht: Taubenschlag, Tag: Fracht.
Jan. 4
Falsche Fragen.
“Warum bin ich hier?” “Wo hier?” “Warum bin ich hier? Warum bin ich in Deinem Bett?” “Ich war auch ganz schockiert, als ich es eben bemerkte.” “Hör mal kurz auf, albern zu sein.” “Ich weiß es nicht: Warum bist Du denn in meinem Bett?” “Ich habe Dir die Frage gestellt.” “Keine Ahnung. Es fühlt sich gut an....
Jan. 3
3 Anmerkungen
Gazellen und Raubtiere.
Manche Menschen setzen immer ein Bein vertikal sehr nah vor das andere. Es hat etwas sehr graziles, gazellenhaftes. Ein Gang wie auf dem Laufsteg, dabei hüpft der Oberkörper leicht auf und ab. Die anderen sind die Raubtiere. Sie schreiten breitbeinig, niemanden einfach passieren lassend. Sie nehmen den ganzen Weg ein und auch ihre Körper richten sich immer wieder drohend auf. Und dann gibt es noch...
Jan. 3
Jan. 3
2 Anmerkungen
Textwüsten.
Lebend kommt ihr hier nicht wieder raus, Freunde.
Jan. 3
2 Anmerkungen