Gewohnheit.

Wie ich mich mit Dir auseinandersetzte. Wie ich jede Deiner an Geisteskrankheit grenzenden, irrationalen Entscheidungen, die Du im Tagesrhythmus wieder komplett über den Haufen geworfen hast, interpretierte, sezierte und bewertete. Dabei bist Du nur eine von diesen Millionen von Frauen, die jeden Tag wie besessen im Internet herumsurfen, um sich dort von irgendwelchen Typen, die alles sagen würde, um an einen Fick zu kommen, die Bestätigung zu holen, wie außergewöhnlich sie doch seien, weil sie keinerlei Selbstwertgefühl haben. Wie scheißgewöhnlich Du am Ende doch bist, wenn man nur einmal einen winzigen Moment lang ehrlich zu sich selbst ist.

Früher hat man einfach geliebt, ging durch Höhen und Tiefen mit seinem Partner und war glücklich. Heute gibt es das Internet, in dem zu jeder Zeit 500 Millionen Männer darauf warten, der Frau, die man liebt, alles zu erzählen, was nötig ist, um ihren Schwanz in sie stecken zu dürfen und 500 Millionen Frauen in Beziehungen, die heimlich unter dem Deckmantel “ist doch nur ein Bekannter aus dem Netz” nach jemandem Ausschau halten, der in irgendeiner Hinsicht doch noch eine Ecke optimaler sein könnte, als der Mann, der zu Hause auf einen wartet. Es ist ja so einfach geworden. Die Entscheidung “ich werde ihn nicht wiedersehen” ist in Zeiten von Skype nur einen Mausklick weit weg von “ach, ich chatte doch mal eben mit ihm und gucke, was er so macht”. Menschen sind primitive, von ihrer Biologie ferngesteuerte Wesen. Schlimmer als die Tatsache, dass Du ebenfalls so scheißgewöhnlich bist wie die restlichen Menschen, die man auf diesem Planeten trifft, ist eigentlich nur, dass Du meine Photographien vor Dir dafür benutzt, um diese Männer anzulocken. Ich verabscheue es, wie Du meinen Blick auf Dich nimmst und diesen über alle Fehler hinaus liebenden Blick instrumentalisierst, um mich letztendlich immer und immer wieder zu verletzen. Du bist ein Monster, das ich bisher trotz seiner Monströsität geliebt habe, aber dieses mal hast Du etwas in mir kaputt gemacht, dass sich nicht mehr einfach reparieren lässt. Du hast mich, der Dich bedingungslos und für immer über alles in seinem Leben stellen wollte, zum dritten Mal für etwas mehr Selbstwertgefühl und für Deinen Egoismus eingetauscht.

Du weißt selbst, dass ich Dir niemals alle Türen zuschlagen kann (das liegt in meiner eigenen Natur), aber diese Tür, hinter der ich in dem Moment sitze, in dem ich diese Zeilen schreibe, ist jetzt verdammt gut verriegelt und doppelt von innen vernagelt. Wenn Dir etwas an mir liegt, dann mach einen ausführlichen Kurs im Safeknacken und stell Dich auf viele missglückende Versuche ein. So sehr ich gerne würde: Ich kann Dir dabei nicht mehr helfen. Liegt Dir nichts an mir, dann leb einfach Dein bedeutungsloses Leben zu Ende und lass bitte nichts mehr von Dir hören.